Wer selbständig in Therapie, Beratung oder Coaching arbeitet, verbringt einen grossen Teil der Woche ausserhalb von Begleitungen mit E-Mails, Unterlagen und Arbeitsblättern, Angebotstexten, Newslettern, der Website, Recherche und vielleicht einem Kurs, der seit Monaten halb fertig in einem Ordner liegt. Diese Arbeit erledigen Selbständige meistens allein, oft am Abend oder zwischen Gesprächen und oft mit dem Gefühl, dass sie der eigentlichen Arbeit Zeit wegnimmt. Hier kann KI viel abnehmen, während die Begleitung selbst bei dir bleibt.

Ich nutze täglich verschiedene KI-Tools, für meine eigenen Texte, für Kurse und Unterlagen und für die Websites meiner Kundinnen. Was ich dabei gelernt habe, betrifft weniger die Tools selbst. Es betrifft eher die Frage, welche Aufgaben sich eignen, wo die Grenzen liegen und wie man anfängt, ohne sich zu verzetteln.

Das Wichtigste in Kürze

  • KI nimmt Selbständigen in Therapie, Beratung und Coaching vor allem die Arbeit rund um die Begleitung ab: Texte, Mails, Unterlagen, Recherche, Kursentwicklung und Organisation.
  • Namen, Diagnosen und alles, was eine Person erkennbar macht, bleiben draussen. Für Berufe mit Berufsgeheimnis gelten zusätzlich strenge Regeln.
  • Die Beziehung, die Einschätzung im Moment und die Verantwortung für die Begleitung bleiben bei dir.
  • KI-Texte klingen generisch, solange die KI nicht weiss, wie du schreibst und was du anbietest.
  • Im Alltag tragen einzelne Abläufe, die sauber laufen, meistens mehr als eine allgemeine KI-Assistentin.
  • Der beste Einstieg ist eine Aufgabe, die jede Woche wiederkommt.

Wofür können Selbständige KI im Alltag nutzen?

Selbständige in Therapie, Beratung und Coaching können KI für fast alles nutzen, was rund um die Begleitung anfällt und aus Sprache, Struktur oder Wiederholung besteht: Texte, Mails, Unterlagen, Recherche, Kursentwicklung und Planung. Die Begleitung selbst bleibt beim Menschen, wobei es auch hier ganz viele spannende Entwicklungen gibt.

Selbständige haben meistens mehrere Berufe gleichzeitig. In der Sitzung bist du Fachperson. Danach bist du Texterin für die Website, Sekretärin für Termine, Grafikerin für Arbeitsblätter, Marketingabteilung und manchmal auch noch Kursentwicklerin. Die Aus- und Weiterbildungen drehen sich fast alle um den ersten Teil. Den Rest lernt man nebenbei und er frisst viel Zeit.

Das Fachwissen ist in der Regel längst da. Es steckt in Ausbildungen, in Notizen, in Konzepten und in dem, was du in Begleitungen immer wieder machst, hältst und erklärst. Was eher fehlt, ist die Zeit, dieses Wissen in eine Form zu bringen, die andere lesen, nutzen oder kaufen können. Mit KI geht dieser Schritt deutlich schneller.

Eine Übersicht, wie sich die Arbeit zwischen dir und der KI aufteilen lässt:

BereichWas die KI übernehmen kannWas bei dir bleibt
Website, Blog und Newslettererste Entwürfe, Struktur, Überarbeitung, Varianten für Social MediaInhalt, Haltung, Freigabe
E-Mails und AnfragenAntwortentwürfe, Vorlagen für wiederkehrende Mailsder Ton im Einzelfall, die Entscheidung
Unterlagen für KlientinnenArbeitsblätter, Handouts, Übungen, einfache Sprachefachliche Richtigkeit, die Auswahl für die Person
Vor- und NachbereitungFragen, Methodenideen, Struktur für eigene Gedanken (anonymisiert)alles Vertrauliche, die Einschätzung der Person
RechercheÜberblick, Begriffe, Studien finden und zusammenfassenQuellen prüfen, Einordnung
Kurse und AngeboteAufbau, Module, Workbooks, Videoskripte, MailsPositionierung, Didaktik, Preis
OrganisationPlanung, Rückblicke, Abläufe festhalten, kleine technische ArbeitenPrioritäten

Wie können Coaches KI für Texte nutzen?

Beim Schreiben bringt KI am meisten bei ersten Entwürfen und beim Überarbeiten von Website, Angebotsseiten, Blogartikeln, Newslettern und Posts. Den Inhalt und die Haltung bringst du mit, die KI hilft beim Formulieren und Strukturieren.

Für viele ist das Schreiben der grösste Zeitfresser im Business. Dabei ist selten fehlendes Wissen die Herausforderung, sondern dieses grosse Wissen in gut nachvollziehbare und teilbare Texte zu bringen. Schwierig kann dabei der Anfang sein, also das leere Dokument, die Struktur oder die Frage, wie aus vielen Gedanken ein Text wird, den jemand bis zum Schluss liest.

So setze ich KI beim Schreiben ein:

  • Aus einer Sprachnachricht wird ein Artikel. Ich spreche meine Gedanken zu einem Thema ein, so wie sie mir kommen. Die KI macht daraus eine Abschrift, ordnet sie und baut einen Entwurf. Weil die Sätze schon aus meinem Kopf kommen, klingt das Ergebnis oft näher nach mir als ein Text, den ich am Bildschirm angefangen hätte.
  • Aus einem Text werden mehrere. Ein Blogartikel wird zu einem Newsletter, zu Posts für Facebook, LinkedIn oder Instagram und vielleicht zu einem Handout.
  • Ein bestehender Text wird besser. Kürzer, klarer gegliedert, mit Zwischenüberschriften in Form von Fragen, die Menschen tatsächlich stellen. Das hilft beim Lesen und es hilft bei Google und in KI-Suchen. Mehr dazu steht im Artikel über Texte für KI-Suchergebnisse.
  • Eine Angebotsseite bekommt ein Gerüst. Die KI sammelt Fragen, die deine Wunschklientinnen haben könnten. Danach schlägt sie eine Reihenfolge oder Strukturierung vor. Welche Fragen wirklich gestellt werden, weisst du aus deinen Erstgesprächen und Begleitungen viel besser, als das ein KI-Modell je könnte.

Bei der Suchmaschinenoptimierung stösst die KI ohne eine Verbindung mit einem entsprechenden Tool an Grenzen. Ein Chat hat keinen Zugriff auf echte Suchdaten und erfindet Suchvolumen manchmal einfach. Wie eine Website wirklich gefunden wird, beschreibe ich im Artikel zur SEO-Website für Therapeutinnen, Beraterinnen und Coaches.

Kann KI E-Mails und Anfragen für mich beantworten?

KI kann Antworten auf E-Mails und Anfragen entwerfen und aus wiederkehrenden Mails gute Vorlagen machen. Bei Mails an Klientinnen ist ein Entwurf, den du liest und anpasst, meistens die bessere Wahl als ein automatischer Versand.

Ein grosser Teil der Mails in einer Praxis wiederholt sich: die Antwort auf eine Erstanfrage, die Terminbestätigung, eine Verschiebung, die freundliche Erinnerung an eine offene Rechnung, das Nachfassen nach einem Erstgespräch. Für solche Mails lohnt es sich, einmal mit der KI gute Vorlagen zu bauen. Sie klingen dann nach dir und du passt im Einzelfall nur noch an, was die Person betrifft.

Hilfreich ist KI auch bei Mails, die schwerfallen. Eine Absage, weil eine Anfrage nicht zu deinem Angebot passt, eine Grenze, die du setzen möchtest oder eine Antwort auf eine verärgerte Nachricht. Wer selbst emotional mitten in der Situation steckt, findet mit einem Entwurf oft schneller die passenden Worte oder lässt sich von einem LLM wie ChatGPT, Gemini oder Claude den Text höflich und politisch korrekt anpassen. Kopiert wird dafür nur der Inhalt, ohne Namen und ohne Details, die die Person erkennbar machen.

Viele Mailprogramme haben inzwischen eine KI eingebaut, zum Beispiel Gemini in Gmail oder Copilot in Outlook. Sie können Antworten vorschlagen oder ganze Postfächer zusammenfassen. Bevor du das für dein Praxispostfach einschaltest, lohnt sich ein Blick in den Abschnitt zum Datenschutz weiter unten, denn dann liest die KI jede Mail mit.

Wie erstelle ich mit KI Arbeitsblätter und Unterlagen für Klientinnen?

Arbeitsblätter und Unterlagen für Klientinnen entstehen mit KI am besten aus deinem eigenen Fachwissen. Du gibst der KI deine Notizen, dein Konzept oder eine Übung aus deinen Sitzungen und sie macht daraus ein Arbeitsblatt, ein Handout oder eine Checkliste.

Gerade hier steckt viel Zeit, die sich sparen lässt. Eine Übung, die du in Sitzungen seit Jahren erklärst, wird zu einem Blatt zum Mitnehmen. Ein Modell, das du immer wieder an das Flipchart zeichnest, bekommt eine Erklärung in einfacher Sprache. Aus einem langen Text wird eine Checkliste, aus einem Vortrag ein Arbeitsblatt mit Reflexionsfragen.

Dazu kommen Fassungen für unterschiedliche Menschen: eine kürzere Variante für jemanden, der gerade wenig Kapazität hat, eine Fassung für Jugendliche, eine Übersetzung für eine Familie, die eine andere Sprache spricht. Früher hätte das Stunden gedauert. Mit KI ist es oft eine Sache von Minuten plus die Zeit für das Gegenlesen. Denn wichtig ist es immer im Kopf zu behalten, dass die KI Fehler macht, auch bei Aufgaben, die schon mehrfach prima geklappt haben, kann plötzlich ein sehr verwunderliches Resultat herauskommen.

Ich arbeite selbst so: Für meine Kurse habe ich jeweils ein Hintergrunddokument mit meinem Fachwissen, aus dem mit KI ein Workbook und ein Videoskript entstehen. Die Gestaltung mache ich danach in Canva, wobei ich mir auch dort von KI unter die Arme greifen lasse. Oft erstelle ich den Anfang und gebe dem Roboter die Aufgabe so weiter zu machen.

Was an Klientinnen geht, lese ich selbst gegen. KI greift gern auf Wissen zurück, das weit verbreitet ist, auch wenn es inzwischen überholt ist. Zahlen stammen manchmal aus alten Quellen, Studien werden ungenau wiedergegeben oder Fachbegriffe vermischt. Wer im eigenen Fachgebiet sattelfest ist, merkt so etwas sofort.

Darf ich KI zur Vor- und Nachbereitung von Sitzungen nutzen?

KI eignet sich für die Vor- und Nachbereitung von Sitzungen, solange nichts hineinkommt, das eine Person erkennbar macht. Für Methodenideen, Fragen, Struktur und die eigene Reflexion hilft sie gut, für Fallnotizen mit echten Angaben ist sie der falsche Ort.

In der Vorbereitung kann KI ein gutes Gegenüber sein. Du beschreibst eine Situation allgemein, etwa eine Klientin, die in einer beruflichen Neuorientierung steckt und immer wieder am selben Punkt hängen bleibt. Die KI schlägt Fragen vor, erinnert an Methoden, die du vielleicht länger nicht genutzt hast, oder stellt deine Hypothese in Frage. Das ersetzt keine Intervision oder Supervision mit Kolleginnen. Für einen ersten Gedankengang am Abend vor einer Sitzung kann es aber viel bringen. Insbesondere wenn du der KI beispielsweise Infos über deine bevorzugten Arbeitsweisen mitgibst.

In der Nachbereitung hilft KI vor allem beim Ordnen der eigenen Gedanken. Was ist mir aufgefallen? Was nehme ich für das nächste Gespräch mit? Was hat mit mir selbst zu tun? Solche Fragen lassen sich gut mit einer KI durchgehen, auch hier ohne Namen und ohne Details.

Ich nutze für persönliche Dinge gerne eine KI von einem Anbieter, der hohen Wert auf Datenschutz legt. Denn auch wenn ich erzähle, wie es mir in einer Begleitung ergangen ist, was dies bei mir ausgelöst hat und was ich für das nächste Mal mitnehmen möchte, ist mir das zu privat, als dass mir hier Datenschutz unwichtig wäre. Für mich ist hier Euria von Infomaniak die erste Wahl, es gibt jedoch auch andere Anbieter, die in der Schweiz lokal zu finden sind und gut auf die Daten aufpassen.

Anonymisieren heisst mehr als den Namen weglassen. Eine Person wird auch über ihr genaues Alter, den Wohnort, den Arbeitgeber, die Familiensituation oder ein besonderes Ereignis erkennbar. In einer kleinen Gemeinde reicht manchmal schon die Kombination aus Beruf, Anzahl Kinder und einer Trennung. Also gilt hier: Je allgemeiner die Beschreibung, desto besser.

Vorsicht ist bei Tools angebracht, die Gespärche aufzeichnen und automatisch Protokolle schreiben. Das klingt nach grosser Entlastung, zumindest wenn du noch genau wissen möchtest, was besprochen wurde. Die Aufnahme braucht aber die ausdrückliche Einwilligung der Klientin und die Daten liegen danach bei einem Anbieter, dessen Server oft in den USA stehen. Für Berufe mit Berufsgeheimnis ist das ein eigenes Thema, das sich ohne genaue Abklärung kaum sauber lösen lässt.

Wie hilft KI bei Recherche und Fachwissen?

Bei Recherche und Fachwissen ist KI ein guter Startpunkt für einen Überblick, für Begriffe und zum Finden von Studien. Quellen und Zahlen prüfe ich trotzdem selbst, weil KI Studien erfinden oder falsch wiedergeben kann.

Als Molekularbiologin und ehemalige Clinical Trial Managerin lese ich Studien gern im Original. Trotzdem nutze ich KI dafür täglich. Sie findet Studien zu einer Frage, fasst englische Fachartikel verständlich zusammen und erklärt Begriffe aus angrenzenden Fachgebieten. Jede Woche läuft bei mir ein Fach-Monitoring, bei dem die KI Fachquellen und die Studiendatenbank PubMed nach Neuem zu meinen Themen durchsucht und kurz zusammenfasst. Was mich interessiert, lese ich danach selbst.

Drei Dinge prüfe ich dabei jedes Mal:

  1. Gibt es die Studie wirklich? Ich öffne den Link und schaue nach, ob Titel, Jahr und Ergebnis stimmen. KI-Chats ohne Websuche erfinden Quellen, die sehr echt aussehen.
  2. Wer wurde untersucht? Eine Studie mit Erwachsenen im Labor sagt etwas anderes als eine mit Kindern im Alltag. Ergebnisse zu einer bestimmten Diagnose gelten für diese Gruppe und lassen sich nicht einfach auf alle übertragen.
  3. Wie stark schwanken die Zahlen? Häufigkeiten unterscheiden sich je nach Quelle oft stark. Dann steht im Text eine Spannweite statt einer einzelnen Zahl.

Wer regelmässig mit Fachquellen arbeitet, legt sich am besten eine eigene Quellensammlung an. Ich sammle Studien mit Kernaussage und untersuchter Gruppe an einem Ort, so dass die KI später darauf zurückgreifen kann, statt jedes Mal neu zu suchen und ich muss dann auch nicht mehr überprüfen, wenn es aus meiner Quellensammlung stammt.

Kann ich mit KI einen Kurs oder ein neues Angebot entwickeln?

Mit KI lässt sich ein Kurs oder ein neues Angebot gut entwickeln: Sie hilft beim Sortieren der Ideen, beim Aufbau von Modulen und beim Erstellen von Workbooks, Videoskripten und Mails. Was dein Angebot ausmacht und für wen es ist, entscheidest du.

Viele Selbständige haben einen Kurs oder ein Gruppenangebot im Kopf, das seit Monaten nicht fertig wird. Selten fehlt es hier am Wissen oder an Ideen. Eher fehlt die Struktur, das Zusammenbringen aller schon vorhandenen Unterlagen ist zu umständlich oder die vielen Ideen wollen alle gleichzeitig hinein.

Besonders hilfreich finde ich es, wenn die KI Fragen stellt, statt Antworten zu liefern. Ich lasse mich zu einem Thema interviewen, Frage für Frage, bis klar ist, was nur ich dazu sagen kann. Das nennt man "reverse prompting", also umgekehrtes Aufträge geben. Aus den Antworten entsteht ein Aufbau, der nach meinem Angebot aussieht und nach keinem anderen. Danach kann die KI Module ausformulieren, Übungen vorschlagen (natürlich aus meinen Unterlagen), ein Workbook vorbereiten und die Mails für den Kursstart entwerfen.

Wie Lerninhalte so aufgebaut werden, dass sie auch hängen bleiben, beschreibe ich im Artikel über Schulungen mit KI erstellen. Der ist zwar für kleine Betriebe geschrieben, die Grundlagen gelten für einen Onlinekurs aber genauso. Und wenn die Frage eher lautet, welches Angebot überhaupt zu dir passt, ist die Positionierung der bessere Startpunkt.

Wie unterstützt KI bei Organisation und Planung?

KI kann Aufgaben sortieren, Monatsrückblicke vorbereiten, Abläufe festhalten und kleine technische Arbeiten an der Website übernehmen. Gerade für vielseitige Selbständige mit vielen Ideen kann das sehr entlasten.

Ich habe viele Ideen und früher sind einige davon versandet, obwohl sie längst hätten fertig sein können. Heute hilft mir KI dabei, Prioritäten zu setzen, neue Ideen festzuhalten und die alten mitzunehmen, damit unterwegs nichts verloren geht. Für meinen Monatsrückblick geht die KI die Reflexionsfragen mit mir durch. Beantworten tue ich sie selbst, aber das Sortieren danach geht viel schneller.

Auch an der Website spare ich viel Zeit. Eine Designanpassung über alle Seiten hat mich früher rund eine Stunde gekostet. Mit KI sind es heute etwa zehn Minuten Aufwand. Kleine Änderungen am Code, eine Tabelle für die Preisübersicht oder eine Weiterleitung beschreibe ich in normalen Worten und bekomme eine fertige Lösung, die ich nur noch einfügen muss.

Hilfreich ist das vor allem bei Aufgaben, die regelmässig wiederkommen. Wer jeden Monat einen Rückblick schreibt, jede Woche den Newsletter plant oder vor jedem Kursstart dieselben Mails braucht, profitiert am meisten.

Was gilt beim Datenschutz, wenn ich als Therapeutin oder Coach KI nutze?

Personendaten von Klientinnen haben in einem gewöhnlichen KI-Chat nichts verloren, Gesundheitsdaten erst recht nicht. Wer unter ein Berufsgeheimnis fällt, braucht für jede Weitergabe zusätzlich eine rechtliche Grundlage, meistens die ausdrückliche Einwilligung.

In der Schweiz gelten Gesundheitsdaten als besonders schützenswerte Personendaten, in Deutschland und Österreich regelt die DSGVO das ähnlich. Für bestimmte Berufe kommt das Berufsgeheimnis dazu, etwa für Psychologinnen (Art. 321 StGB in der Schweiz) oder Psychotherapeutinnen (§ 203 StGB in Deutschland). Ich bin keine Juristin und bei Unsicherheit lohnt sich eine Abklärung beim Berufsverband oder bei einer Fachperson für Datenschutz.

Drei Dinge helfen mir im Alltag:

  • Keine Personendaten in den Chat. Keine Namen, keine Diagnosen, keine Details, über die jemand erkennbar wird. Das gilt auch für Mails, die man nur „kurz umformulieren“ lassen möchte.
  • Training ausschalten. Bei Claude heisst die Einstellung „Helfen Sie uns, unsere KI-Modelle zu verbessern“ und steht unter Einstellungen und Datenschutz. Bei ChatGPT heisst sie „Das Modell für alle verbessern“ und steht unter Einstellungen und Datenkontrollen.
  • Eingebaute KI bewusst einschalten. KI in Mailprogrammen, Kalendern oder Praxissoftware liest mit, was dort liegt. Bevor ich so etwas aktiviere, schaue ich nach, wo die Daten bearbeitet werden.

Welche KI eignet sich für Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen?

Für Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen eignen sich Claude, ChatGPT, Copilot und Gemini alle für Texte, Unterlagen und Recherche. Wichtiger als das Tool ist, dass die KI dein Business und deine Schreibstimme kennt.

Die grossen Tools unterscheiden sich weniger, als die vielen Vergleiche im Netz vermuten lassen. Zudem verändern sie sich laufend. Ein paar Unterschiede gibt es trotzdem:

  • Claude schreibt auf Deutsch sehr natürlich und eignet sich gut für längere Texte, Struktur und Recherche. Mit Projekten und Skills lässt sich eine feste Arbeitsumgebung einrichten. Ich nutze Claude für den grössten Teil meiner Arbeit, für Texte, Struktur, Recherche und kleine Anpassungen an Websites.
  • ChatGPT ist am bekanntesten und kann sehr viel, auch Bilder. Mit Projekten, eigenen GPTs und der Erinnerungsfunktion lässt sich ebenfalls eine Arbeitsumgebung bauen.
  • Gemini passt gut, wenn du sowieso mit Google arbeitest, also mit Gmail, Google Docs und Google Drive. Eigene Assistenten heissen dort noch Gems, aber nicht mehr lange.
  • Copilot ist in Microsoft 365 eingebaut und liegt nahe, wenn deine Unterlagen in Word und Outlook liegen.

Es gibt auch lokalere (nicht amerikanische oder chinesische) KI-Tools, die sehr gute Arbeit leisten. Ich nutze Euria von Infomaniak, Swisscom hat eine eigene KI, in Frankreich gibt es Le Chat von Mistral. Gerne würde ich eine von diesen für alles nutzen, leider kann bisher keine davon alles, was ich brauche. Lieber wäre es mir jedoch schon, wenn meine Daten hier in der Schweiz oder Europa bleiben würden bei jemanden, wo ich sicher sein kann, dass er sensibel damit umgeht.

Was Projekte, Skills und Gems genau sind und wie daraus eine KI wird, die dein Business kennt, erkläre ich im Artikel über Claude Projekte, Skills und Gems.

Was kostet KI für Selbständige?

Zum Ausprobieren reichen die kostenlosen KI-Versionen. Für die regelmässige Arbeit kosten die gängigen Bezahlversionen rund 15 bis 20 Franken, Euro oder Dollar im Monat (Stand Oktober 2026). Die Schweizer und europäischen Anbieter sind dabei meist etwas günstiger.

Die Preise im Überblick: ChatGPT Plus, Claude Pro und Google AI Pro kosten je rund 20 Dollar im Monat. ChatGPT gibt es zusätzlich als günstigere Version Go mit Werbung. Copilot steckt bei Microsoft inzwischen in Microsoft 365 Premium. Le Chat Pro von Mistral kostet rund 15 Euro im Monat, myAI Pro von Swisscom knapp 15 Franken. Euria von Infomaniak lässt sich gratis nutzen. Den vollen Umfang gibt es mit einem kSuite-Abo, das je nach Paket wenige Franken im Monat kostet. In Franken und Euro weichen die Beträge etwas ab und die Anbieter passen ihre Preise öfter an.

Für sehr intensive Nutzung gibt es teurere Abos mit deutlich höheren Grenzen. Claude Max kostet 100 oder 200 Dollar im Monat, ChatGPT Pro 200 Dollar und Google AI Ultra rund 250 Dollar. Für die meisten Selbständigen ist das zu viel. Wer aber wie ich täglich mit KI an Texten, Unterlagen und ganzen Projekten arbeitet, stösst mit dem normalen Abo schnell an die Grenzen. Dann rechnet sich auch ein teureres Abo.

Lohnt sich das? Die kostenlosen Versionen haben enge Grenzen bei der Anzahl Nachrichten und bei längeren Dokumenten und sie bieten weniger Einstellungen. Wer KI regelmässig für Texte und Unterlagen nutzt, stösst schnell daran. Spart ein Abo eine Stunde im Monat, hat es sich schon gelohnt, wenn du deine Arbeitszeit einrechnest. Ein Abo reicht dabei meistens. Zwei oder drei parallel bringen selten mehr, eher mehr Durcheinander.

Warum klingen KI-Texte oft generisch?

KI-Texte klingen oft generisch, weil die KI in jedem neuen Chat bei null anfängt. Sie weiss nicht, wie du schreibst, wen du begleitest und welche Haltung hinter deiner Arbeit steht.

Viele haben ChatGPT oder Claude schon ausprobiert und waren danach ernüchtert. Der Text war da, aber er klang nach allen und nach niemandem. Oder die KI hat Dinge vorgeschlagen, die überhaupt nicht zum eigenen Angebot passen. Dazu kommen die typischen Muster, an denen man KI-Texte inzwischen erkennt: Gedankenstriche, Dreierlisten, Sätze nach dem Muster „Es geht nicht um X, sondern um Y“ und ein Ton, der überall gleich klingt. Woran man KI-Texte erkennt und wie man sie vermeidet, beschreibe ich im Artikel Mit KI schreiben, ohne dass es nach KI klingt.

Beides lässt sich ändern. Die KI kann lernen, wie du schreibst. Dafür braucht es ein Stimmprofil, das aus deinen eigenen Texten entsteht: welche Sätze du baust, welche Wörter du magst, was du nie schreiben würdest. Als Skill abgelegt, greift die KI bei jedem Text darauf zurück, ohne dass du es jedes Mal neu erklären musst. Dazu kommt eine feste Arbeitsumgebung mit deinem Business-Wissen, also mit deinen Angeboten, deiner Zielgruppe und deiner Haltung.

Wie du zu so einem Stimmprofil kommst, zeige ich bei Deine Schreibstimme als Skill, als Kurs oder mit persönlicher Begleitung.

Brauche ich als Selbständige eine KI-Assistentin?

Eine allgemeine KI-Assistentin, die alles können soll, brauchen die meisten Selbständigen eher nicht. Im Alltag tragen einzelne Abläufe, die sauber laufen, deutlich mehr.

Mir begegnet dieser Ausdruck immer mal wieder für Kursangebote beispielsweise, dass man sich eine ganze Horde von KI-Assistenten erstellen kann. Ehrlich gesagt finde ich das etwas befremdlich. Ich möchte gar keine Assistentin Roboterin haben, viel lieber nutze ich KI für ganz konkrete Aufgabenstellungen von Dingen, die ich lieber nicht machen möchte oder rascher gelöst haben möchte.

Der Wunsch nach Entlastung dahinter ist verständlich. Eine allgemeine Assistentin scheitert im Alltag aber häufig, weil sie nicht weiss, was in deinem Business eigentlich zu tun ist. Zuverlässig laufen wenige konkrete Abläufe, zum Beispiel der Newsletter, die Antwort auf Anfragen oder ein Artikel aus einer Sprachnachricht. Mein Angebot „Ein Ablauf als Skill“ heisst deshalb bewusst nicht KI-Assistentin: Die KI übernimmt einen Handgriff und du bleibst die Fachperson.

Wo hat KI in der Begleitung keinen Platz?

In der Begleitung hat KI dort keinen Platz, wo es um die Beziehung selbst, um Krisen oder um eine Einschätzung im Moment geht. Auch fachliche Aussagen aus einer KI gehen besser nicht ungeprüft nach aussen, finde ich und sonst müssen sie klar als solche deklariert werden.

Das Gegenüber in der Sitzung, das Gespür für den Moment und die Verantwortung für die Begleitung lassen sich an kein Tool abgeben. KI kann eine Begleitung vorbereiten helfen. Führen kann sie sie nicht, zumindest nicht so, wie du und ich das machen würden.

Eine KI formuliert sehr überzeugend, auch dann, wenn der Inhalt falsch ist. Das betrifft Texte auf der Website genauso wie eine Übung, die an eine Klientin geht. Was nach aussen geht, braucht deshalb deinen fachlichen Blick und besonders bei heiklen Themen ist es wichtig eine erfahrene Expertin an seiner Seite zu wissen und nicht jemand, der sich auf eine Maschine verlässt.

Spannend finde ich, dass immer mehr Klientinnen selbst mit KI arbeiten. Manche kommen mit einer Einschätzung aus ChatGPT in die erste Sitzung. Das kann ein guter Einstieg ins Gespräch sein, gerade weil die Fachperson dann einordnen kann, was davon passt und was nicht. Manchmal bin ich dann doch sehr erstaunt, was die Menschen alles mit ChatGPT teilen, wo ich eher Datenschutzbedenken hätte. Gleichzeitig finde ich es sehr spannend, welche Tipps dann teilweise doch einen Treffer landen.

Wie fange ich als Selbständige mit KI an?

Der Einstieg mit KI gelingt am besten mit einer einzigen Aufgabe, die jede Woche wiederkommt und dich jedes Mal Zeit kostet, zum Beispiel dem Newsletter oder der Antwort auf Erstanfragen.

Ein häufiger Fehler beim Einstieg ist, alles auf einmal zu wollen. Dann wird die KI zu einem weiteren Projekt, das Zeit frisst, statt welche zu sparen. So gehe ich bei einer neuen Aufgabe vor:

  1. Eine Aufgabe auswählen, die regelmässig anfällt und bei der du genau weisst, wie das Ergebnis aussehen soll.
  2. Die Aufgabe einmal gemeinsam mit der KI erledigen und dabei erklären, worauf es ankommt. Was ist wichtig, was soll nie vorkommen, für wen ist das Ergebnis?
  3. Gute Beispiele mitgeben, also zwei oder drei frühere Newsletter oder Antworten, die dir gelungen sind.
  4. Die Anleitung festhalten, als Projekt in Claude oder ChatGPT, als Gem in Gemini oder als Skill.
  5. Testen und verbessern, bis das Ergebnis ohne grosse Nacharbeit passt. Erst danach kommt die nächste Aufgabe.

Ich arbeite selbst so. Meine KI kennt meine Schreibstimme, mein Business und feste Abläufe für Blogartikel, Newsletter und Arbeitsblätter. Aufgebaut habe ich das Schritt für Schritt, eine Aufgabe nach der anderen.

Wie unterstütze ich dich beim Einstieg?

Beim Einstieg mit KI zeige ich dir, wie die KI deine Sprache lernt und wie einzelne Aufgaben in deinem Business zuverlässig laufen, ohne dass du dich dafür in die Technik einarbeiten musst.

Wenn du beim Schreiben anfangen möchtest, ist ein eigenes Stimmprofil der wichtigste erste Schritt. Bei Deine Schreibstimme als Skill baust du es im Kurs selbst auf oder ich begleite dich persönlich dabei. Danach klingt die KI nach dir, in Newslettern, Blogartikeln und Angebotstexten.

Wenn du eine Aufgabe hast, die dich jede Woche Zeit kostet, baue ich dir daraus einen Ablauf als Skill: einmal sauber aufgesetzt, getestet und so beschrieben, dass du ihn danach selbst nutzen kannst. Das kann der Newsletter sein, die Antwort auf Erstanfragen oder ein Arbeitsblatt aus deinen Notizen. Schreib mir, welche Aufgabe dir am meisten Zeit zurückgeben würde. Ich melde mich mit einer ersten Einschätzung, wie sich das umsetzen lässt.

Häufige Fragen

Kann KI ein Coaching oder eine Therapie ersetzen?

KI kann ein Coaching oder eine Therapie nicht ersetzen. Sie kann helfen, eine Sitzung vorzubereiten, Unterlagen zu erstellen und Texte zu entwerfen. Das Gegenüber, die Einschätzung im Moment und die Verantwortung für die Begleitung bleiben beim Menschen.

Darf ich Klientendaten in ChatGPT oder Claude eingeben?

Namen, Diagnosen und alles, was eine Person erkennbar macht, lasse ich ganz weg. Wer mit Schweigepflicht arbeitet, anonymisiert konsequent, schaltet das Training aus und klärt bei Unsicherheit mit dem Berufsverband ab, was erlaubt ist.

Welche KI ist die beste für Coaches und Therapeutinnen?

Für Texte, Unterlagen und Recherche funktionieren Claude, ChatGPT und Gemini alle gut. Wichtiger als das Tool ist, dass die KI dein Business und deine Schreibstimme kennt.

Lohnt sich ein bezahltes KI-Abo für Selbständige?

Ein bezahltes KI-Abo lohnt sich für die regelmässige Arbeit meistens. Die Bezahlversionen kosten rund 20 Dollar im Monat und haben deutlich weniger Grenzen. Spart ein Abo eine Stunde im Monat, hat es sich bei den meisten Stundenansätzen gelohnt.

Wie viel Zeit spart KI im Alltag?

Wie viel Zeit KI spart, hängt von der Aufgabe ab. Bei wiederkehrenden Aufgaben wie Newsletter, Mails oder Arbeitsblättern ist der Unterschied gross. Eine Designanpassung an meiner Website hat früher rund eine Stunde gedauert, mit KI sind es etwa zehn Minuten.

Goni Boller

Über die Autorin

Goni Boller schreibt Texte und baut seit 2013 Websites für Selbständige in Beratung, Coaching und Therapie und für kleine Teams. Ihre Websites baut sie mit WordPress und Divi, so dass ihre Kundinnen sie danach selbst pflegen können.

Unter Ufgfädlet bringt sie Wissen in Form: in Texte, die nach den Menschen dahinter klingen, in Websites, in denen sie sich wiedererkennen, in KI-Abläufe, die ihnen Handgriffe abnehmen. Sie arbeitet täglich selbst mit KI und zeigt, wie damit Texte entstehen, die nach der eigenen Stimme klingen.

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